Bericht von der DRV Wintertagung 2019

Bericht von der DRV Wintertagung 2019 in Fulda

Viele Mitglieder – interessante Referenten – gute Gespräche – eine Neuerung

Der Deutsche Rollrasen Verband (DRV) hatte nach Fulda zur Wintertagung mit Mitgliederversammlung geladen. Waren es die angekündigten Themen, der fast schon historische Vorstandswechsel oder die Auswirkungen der bedrohlichen Trockenheit des zu Ende gegangenen Jahres? Alles zusammen führte dazu, dass fast 60 Teilnehmer aus 28 Mitgliedsbetrieben den Weg nach Fulda fanden.

Zum Einstieg stellte Verbandsreferent Martin Bocksch die Zahlen aus der jüngsten Mitgliedererhebung vor. Der DRV hat derzeit 44 Mitglieder. Jüngstes Mitglied, seit Jahresbeginn 2019, die Rasenschule Göring aus Rellingen.

Derzeit bewirtschaften die DRV-Mitglieder rund 2.460 ha Fertigrasenfläche. Das verbreitetste Sodenformat ist die Quadratmeterrolle in den Maßen 0,4 x 2,5 m, aber auch der Trend zu kleinflächigeren, und damit leichteren Rollen, hält an.

Gleich anschließen sollten sich „staubtrockene“ Steuerthemen. Aber von wegen „staubtrocken“: Erfrischend und locker und vor allen Dingen spannend und wissensreich präsentierte Christian Wensierski, Steuerberater der Dr. Gemmeke GmbH Steuerberatungsgesellschaft, den Themenkomplex „Mehrwertsteuer, Einheitswertbestimmung, Barkassen und die zunehmende Digitalisierung in der Buchhaltung bis zur elektronischen Buchführung“.

Haben Sie schon mal was von „Umsatzsteuerlicher Organschaft“ gehört? Ein Thema, was einige der Anwesenden in der nächsten Zeit noch beschäftigen wird.

Ein Aufhorchen gab es beim Thema Digitalisierung, denn tatsächlich werden ja schon viele Vorgänge elektronisch durchgeführt. Diese Dateien können die Basis für eine immer breitere und vollständigere digitale Buchführung sein, wie er erläuterte.

Seit 2017 gibt es nur noch zwei Barkassenformen: die „offene Ladenkasse“ oder die „Registrierkasse“. Letztgenannte ist meist buchführungspflichtig und das muss über 10 Jahre dokumentiert bleiben. Der ab 2020 notwendige nicht manipulierbare „Kassenspeicher“ macht die Sache nicht leichter und wird Viele zur Anschaffung einer neuen Registrierkasse zwingen, ohne die Alte danach entsorgen zu können – 10 Jahre Datensicherung…

Danach kam Ute Matthies zu Wort. Von der Sozialversicherung Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau (SVLFG) gibt es immer Neues! Mit Berufsgenossenschaft, Alterskasse, Krankenkasse und Pflegekasse ist das Themenspektrum groß.

Es ging in erster Linie erneut um die Neueinstufung der Fertigrasenerzeugung bei den Krankenkassenbeiträgen und die damit einhergehende deutliche Beitragsreduzierung für viele Mitgliedsbetriebe. Wie Frau Matthies erläuterte, fällt

dadurch auch der Fragebogen der BG zur Erfassung der Lohnsummen weg, da ein pauschalierter Arbeitsbedarfsansatz berücksichtigt wird. Ein schöner Nebeneffekt. Zu erreichen war das alles nur, weil der DRV als ein geschlossener und starker Verband aufgetreten ist. Allein hätte das keiner erreicht! Der Verband ist daher wichtiger geworden und wird es in Zukunft bleiben – für Jeden Fertigrasenerzeuger.

Es folgte eine Premiere auf den DRV-Wintertagungen. Hintergrund war die Beobachtung, dass alle Betriebe großes Interesse daran zeigten wie Kollegen Probleme lösen. Das gilt natürlich besonders, wenn es die Gleichen sind, wie die, die einen selbst beschäftigen. Zudem war es das Ziel, die Mitglieder aktiver in die Wintertagungen einzubeziehen. Der trockene Sommer bot nun die passende Gelegenheit. Vier Mitglieder hatten im Vorfeld ihre Bereitschaft erklärt ihre Probleme im Zusammenhang mit der Trockenheit und wie sie damit umgegangen sind den Kollegen vorzustellen. Dazu wurden 9 Fragen zusammengestellt, um die Beiträge zu strukturieren und vergleichbar zu machen.

So berichteten Albert Pottmeyer (Rasenschule Pottmeyer), Henry Ferling (Rasenland Krostitz), Rafael Müller (Rollrasen Müller) und Stefan Wille (BOFERA) von ihren Niederschlagsmengen, ihren pflegetechnischen Konsequenzen, ihrer Bewässerungsmöglichkeit, der Wasserquelle und Kundenreaktionen. Es ergab sich ein höchst heterogenes Bild und eine rege Diskussion. Nicht überall wurde die Trockenheit als so gravierend empfunden aber pflegetechnische Anpassungen hatten alle umgesetzt. Wasserbeschränkungen gab es nicht und so hat – wer konnte – bewässert und weiter geerntet.

Kundenreklamationen wegen Austrocknung gab es keine. Wahrscheinlich hat bei dieser Witterung auch der Letzte den Ernst der Lage erkannt und bewässert. Schwieriger wird der Blick in die Zukunft, denn Ansaaten haben sehr gelitten und einige mussten umgebrochen werden. Andere Kollegen versuchten es mit Nachsaat. Im Frühjahr werden wir sehen, was die Maßnahmen genützt haben.

Zum Abschluss des ersten Tages berichtete noch einmal der Verbandsreferent. Denn auch Fertigrasenerzeuger müssen sich wohl mit dem neuen und seit dem 1. Januar geltenden Verpackungsgesetz beschäftigen. Tauschpaletten und Ladungssicherungsfolien, die zudem nicht beim Endverbraucher landen, sollten doch eigentlich Ausschlusskriterium sein. Hier half eine Antwort der „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“ auf Verbandsanfrage nur unzureichend weiter. Das Thema dürfte jedoch nicht nur diese Branche noch eine Zeitlang beschäftigen.

Nach der Mitgliederversammlung am nächsten Morgen wurde die Tagung fortgesetzt. Ulrike Niemann, Fa. Compo-Expert, machte den Anfang. Das Interesse an ihrem Beitrag „Mikronährstoffe und Biostimulanzien in der Fertigrasenaufzucht“ war groß. Frau Niemann verfügt über großen Rasensachverstand in Pflanzenschutz und Pflanzenernährung. Hinzu kommt ihre Fertigrasenerfahrung, ist sie doch mit Onno Onken vom Betrieb Boostedter Rollrasen verheiratet. Es ist erstaunlich, was man mit Algenextrakten und Spezialdüngern, gerade im Fertigrasen, erreichen kann.

Nach einem Vortrag, bei dem es in erster Linie darum ging mit allen möglichen Stoffen gesundes Gräserwachstum anzuregen, sollte es doch interessant sein, sich diese Wachstumsprozesse in der Graspflanze einmal genauer anzuschauen. Und, bis vor wenigen Jahren war dazu tatsächlich gar nicht so viel bekannt, obwohl wir Gräser mehr oder weniger seit Anbeginn der Menschheit in vielfältiger Art und Weise nutzen. Verbandsreferent Martin Bocksch ging zu diesem Thema wieder einmal selbst ans Rednerpult.

Den schweren Part gegen das Mittagstief anzureden, hatte Georg Jeiler von der Fa. Eurogreen, bei der er bundesweit die Fertigrasenerzeuger betreut. Unter dem Stichwort „Fertigrasenmischungen“ stellte er die wichtigsten Gräser und auch Mischungstypen mit einigen interessanten Aussagen vor. So beispielsweise zur Wiesenrispe: „Ihre Bedeutung für die Scherfestigkeit wird überschätzt“, zum Rotschwingel: „Er wird in seiner Bedeutung für die Schälbarkeit der Sode unterschätzt“ und „bei Rotschwingel wird vermehrt der Ausläufertreibende Typ F. rubra rubra verwendet, weil er weniger dominant ist.“

Weiterhin ging er auf die technischen Qualitäten der verwendeten Saatgutpartien ein. Fremdgräser, wie Jährige Rispe (P. annua) oder Gemeine Rispe (P. trivialis), die nicht einfach durch den regelmäßigen Schnitt entfernt werden können, sind ein großes Ärgernis für die Fertigrasenerzeugung. Neuerdings aber auch einige grobe Gräser wie Honiggras (Holcus spp.) oder Welsches Weidelgras (L. multiflorum).

Zum Abschluss brachte er noch eine aktuelle Marktübersicht mit und gab Tendenzen für die Verfügbarkeit der für uns wichtigsten Rasengräser ab – die sah nicht gut aus. Eigentlich ist alles Benötigte knapp oder gar ausverkauft und teuer!

Und ganz allgemein: 2018 ist die Produktion deutlich ausgeweitet worden, dennoch war die Ernte sehr schlecht. Viele der Neuansaaten für 2019 sind im Herbst missglückt. Daher ist die Erntesituation für 2019 sehr unsicher.

Mit dem Ende der Mittagspause war der letzte Referent der diesjährigen Wintertagung eingetroffen: Thomas Eckardt, der Geschäftsführer der Saatzucht Steinach, dem Züchter der beiden derzeit im Vertrieb befindlichen Sorten der Lägerrispe (Poa supina) Supranova (1998) und Supreme (2002). Zum Abschluss sollte er nun „Die Lägerrispe als Rasengras“ vorstellen. Wichtigste Eigenschaft dieser Grasart ist ihre Fähigkeit zur Ausläuferbildung, die zu der so überragenden Narbendichte führt, was sie insbesondere für schattige Flächen interessant macht.

Neben den genannten Sorten befindet sich in der aktuellen Prüfung beim Bundes-sortenamt ein neuer Stamm. Er soll dunkler sein und auch durch andere Vorzüge überzeugen. Zu den wichtigsten Zielen bei der Züchtung gehören nach seiner Aussage die Erhöhung des Samenertrages, eine dunklere Blattfarbe, eine bessere Winterfarbe und gesteigerte Trockenheitstoleranz. Dazu zeigte er einige Bilder aus der Züchtung und der schwierigen Vermehrung und stellte die genannten Sorten und den Zuchtstamm genauer vor.

Zu den Herausforderungen bei der Produktion von Lägerrispe zählen insbesondere die:

  • sehr langsame Bestandesetablierung
  • Anfälligkeit für Frühjahrstrockenheit
  • Spätfrostgefahr bei der Blüte von Ende April bis Anfang Mai – bis zu 50% Verluste!
  • Blüte, Fruchtbildung und Abreife dauern einen Monat
  • extremer Mutterkornbefall bei kühler u./o. schmuddeliger Witterung zur Blüte
  • stärkste Ausfallneigung alle Gräser
  • sehr kleines TKG (0,2g)

Nach kurzer Diskussion sprach Cord Matthies das Schlusswort und lud die Mitglieder zur Sommertagung am 4. Juli auf den Broicherhof in Niederkassel ein.

 

Martin Bocksch
Verbandsreferent
Deutscher Rollrasen Verband e.V.

Den Bericht könnten Sie sich hier nochmal als PDF downloaden.