Über der DRV – Sommertagung in diesem Jahr schien die Sonne auf eine kleine aber feine Veranstaltung. Die Rasen-Fachstelle (RFH) der Universität Hohenheim als Gastgeber der DRV – Sommertagung hatte die Tagung hervorragend vorbereitet.
Nach drei kleinen Vorträgen zu den Themen Bodenhilfsstoffe, „Microclover“ und einer Maschine mit der man das Anwachsen eines Fertigrasens bewerten kann sowie einer Mittagspause – bei der die Teilnehmer Uniflair in der Mensa schmecken und spüren konnten – sahen sich alle die dazugehörige Praxis an. Ausführliche Erläuterungen und manche vertiefende Nachfragen gaben beiderseits Anregungen zu neuen und weiteren Untersuchungen und Versuchen. Ihren Abschluss fand die interessante Veranstaltung auf dem Bundessortenamtsversuch. Hier hatten alle die Gelegenheit mal wieder ihre Artenkenntnis zu überprüfen und die wichtigsten Gräser zu bestimmen.
Bei seiner Begrüßung stellte Hartmut Schneider, Leiter der Rasen-Fachstelle Hohenheim, die Universität und auch die Rasen-Fachstelle kurz vor. Dabei beeindruckte einerseits die Größe des Universitätscampus und andererseits die umfangreiche Arbeit der Rasen-Fachstelle.
In seinem Vortrag „Bodenhilfsstoffe in Rasentragschichten“ betrachtete Wolfgang Henle, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand der RFH, Bodenzuschlagstoffe aus rechtlicher wie vor allem systematischer Sicht. Er teilte die umfangreiche Sammlung in organisch-natürliche (z.B. Torf), anorganisch-mineralische (z.B. Sand), synthetisch-biologische (z.B. Pflanzenextrakte), synthetisch-chemische (z.B. Absorber) sowie synthetisch-physikalische (z.B. Diatomeen) und bewertete die Wirkung der unterschiedlichen Gruppen auf den Boden bzw. eine sandreiche Rasentragschicht. Auf vier davon ging er ausführlicher ein. Sie waren die Grundlage umfangreicher Topf- und Lysimeterversuche, die am Nachmittag besichtigt wurden. Auf eine Bewertung wurde an dieser Stelle ausdrücklich verzichtet.
Anschließend berichtete der BSc Student Matthäus Wagner unter dem Titel „Microclover für Rasenflächen?“ von seiner Master-Arbeit mit diesem speziellen, kleinblättrigen Weißklee. Nach einer kurzen Vorstellung der natürlichen Weißklee-Gesellschaften, den Vielschnittwiesen, ging er auf abgeschlossene Versuche mit diesem speziellen Klee am STRI in Bingley (GB) ein. Microklee erhöht danach tatsächlich die Qualität des Rasens. Jedoch das Düngemanagement und das Mischungsverhältnis Gräser/Klee bei der Ansaat haben einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis. Da der Microklee sehr wüchsig ist, sind auch entsprechende Gräser auszuwählen. Bei seinen eigenen Versuchen ging es um eine mögliche Anwendung in Hausrasen. Mit normalem Oberboden, ohne Beregnung aber verschiedenen Düngestärken und einer belasteten und einer unbelasteten Variante. Interessanterweise sahen die Belasteten während der Belastungsperiode (Sommer) optisch besser aus als die Unbelasteten. Im Winter (ohne Belastung) war das Resultat umgekehrt. Das Blühverhalten des Klees kann mit Düngung und Belastung etwas gesteuert werden. Stickstoff und Belastung reduzieren die Blütenbildung. Auf dem auslaufenden Versuch von Herrn Wagner sollen auf Anregung des DRV nun noch Versuche mit gängigen Herbiziden durchgeführt werden.
Zum Abschluss stellte Dr. Jörg Morhard vom Institut für Agrartechnik anhand von „Untersuchungen zur Verwurzelung von Rollrasen“ eine am Institut für Agrartechnik entwickelte Maschine vor, mit der die Verwurzelung gemessen werden kann. Es handelt sich dabei um die Weiterentwicklung einer bereits von J.Beard in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts eingesetzten Maschine. Dabei wird ein Rollrasen verlegt unter dem sich ein 40x42 cm breites, stabiles Lochblech befindet. Durch die Löcher kann der Rasen in den Untergrund verwachsen. Auf das Lochblech kann nun mittels Haken und Ketten Zugkraft einwirken. Elektronik mißt dabei genau wie groß die Kräfte sind, die notwendig sind um das Rasenstück vom Untergrund zu lösen. Wie immer zeigte sich auch hier am Nachmittag, dass eine Demonstration viel anschaulicher ist als viele Worte. Für eine möglichst anschauliche Demonstration hatte Herr Schneider im Vorfeld bei einem Stuttgarter Rollrasenhersteller Rollrasen besorgt und an zwei verschiedenen Terminen auf den Blechen verlegt. Als weitere Varianten dienten zwei unterschiedlich alte Ansaaten in den Lochblechen. Beim anschließenden Herausreißen bestätigte die Maschine eindrucksvoll die dann auch optisch erkennbaren Verwurzelungsunterschiede. Sofort begannen bei einigen der Teilnehmer die Ideen zu sprudeln, was alles mit dieser Maschine zu vermessen sei.
In der Folge wurden noch eine ganze Reihe weiterer Versuche angeschaut von denen am Vormittag bereits die Rede war.
Zum Abschluss hatten alle Teilnehmer Gelegenheit einmal wieder ihre Artenkenntnis zu überprüfen. Ausgestattet mit Lupen und einer vorbereiteten Liste ging es unter sachkundiger Anleitung von Hartmut Schneider los. Die häufigsten Arten und ihre wichtigsten Merkmale, vom „Jüngsten Blatt“ über die Blattspreite und den Blattgrund bis zum Triebgrund und der Wuchsform wurden bestimmt und eifrig festgehalten.
Gegen 16.30 Uhr ging die Veranstaltung mit einem ausdrücklichen Dank an die Rasen-Fachstelle und ihre Mitarbeiter zu Ende.
Martin Bocksch, 17.09.2009 Deutscher Rollrasen Verband
Deutscher Rollrasen Verband - 5te Mitgliederversammlung mit Jahrestagung
Die Mitglieder des Deutschen Rollrasen Verbandes (DRV) trafen sich am 16./17. Februar diesen Jahres erstmalig zu Ihrer Jahrestagung in Fulda. Das ITZ-Tagungs- und Kongresszentrum Fulda bot dazu einen hervorragenden Rahmen. Knapp 30 der insgesamt 40 Mitgliedsbetriebe konnte Albrecht Freiherr Knigge, Präsident des DRV, zu der zweitägigen Veranstaltung in Fulda begrüßen.
In den Referaten am ersten Tag standen fachliche Themen im Vordergrund. Dazu hatte der Verband Redner aus dem ganzen Bundesgebiet eingeladen. So sprach der einzige deutsche Certified Golf Course Superintendent (CGCS), Herr Andreas Herrmann aus Lübeck, über aktuelle Züchtungstendenzen bei Rasengräsern und die viel diskutierten Poa-Hybriden.
Großes Interesse weckte auch der Vortrag von Herrn Dr. Wilhelm Rademacher, BASF – Pflanzenschutz, Limburgerhof, zur Wirkungsweise von Wachstumsregulatoren in Pflanzen.
Neues und Altbekanntes verwob der DRV Verbandsreferent Martin Bocksch, unabhängiger Rasenberater aus Leinfelden – Echterdingen, in seinem Beitrag zur „Guten fachlichen Praxis“ im Pflanzenschutz. Gleichzeitig versuchte er eine Einordnung der jüngsten Pflanzenschutzbeschlüsse des EU-Parlaments in Brüssel.
Den Abschluss bildete ein Hintergrundbericht zu den derzeitigen Klimadiskussionen des Leiters der Agrarmeteorologie beim Deutschen Wetterdienst (DWD), Herr Ulrich Otte. Frankfurt am Main.
Am zweiten Tag folgte die Mitgliederversammlung. Nach den vor einem Jahr beschlossenen großen Veränderungen u.a. durch die Einstellung eines Verbandsreferenten und die Schaffung eines eigenen Informationsmediums (DRV-Rasenbriefe), gab es in diesem Jahr wenig Diskussionsbedarf. Freiherr Knigge lobte ausdrücklich die vielfältigen Leistungen die der Verbandsreferent im vergangenen Jahr für den DRV erbracht hat. Insbesondere nannte er die Pflanzenschutz-Sammelanträge für die DRV-Mitglieder, gelungene Veranstaltungen und die DRV-Rasenbriefe.
In bleibender Erinnerung wird allen Zuhörern sicher der Abschlussvortrag von Johann Detlef Niemann, Leiter DEULA Bayern, Freising, bleiben. Stück für Stück schaffte er es, den von ihm in den Mittelpunkt seines Vortrages gestellten Eisberg aus dem Wasser zu holen und seinen Zuhörern sichtbar zu machen. Nun liegt es an diesen, gleiches mit ihren Kunden zu machen.
Mit einem positiven Fazit der fünften Jahrestagung schloss schließlich Martin Bocksch, der die Veranstaltung geplant und geleitet hatte, und lud alle Mitglieder des Deutschen Rollrasen Verbandes zur Sommertagung auf den Betrieb von Thomas Büchner nach Hüttenfeld bei Lampertheim ein.
Die parallel dazu in Fulda tagenden Greenkeeper – Fulda wurde so für zwei Tage zum deutschen Rasenkompetenz-Zentrum – kamen anschließend noch in den Genuss zweier interessanter Vorträge. Zum einen stellte ihnen Thomas Büchner von der Rasenschule Büchner „Einsatzmöglichkeiten für Rollrasen auf dem Golfplatz“ vor und der DRV-Verbandsreferent Martin Bocksch sprach über den „Pflanzenschutzmitteleinsatz im Rasen - Aktuelle Pflanzenschutzbeschlüsse des EU-Parlaments“.
Der am 26.04.2004 in Grünberg/Hessen gegründete Deutsche Rollrasen Verband (DRV) zählt heute 40 Mitglieder, die mehr als 80 % der deutschen Anbaufläche vertreten. Der Deutsche Rollrasen Verband versteht sich als Interessenverband der deutschen Rollrasenproduzenten. Er sieht seine Aufgabe darin, die Interessen der deutschen Rollrasenbetriebe wahrzunehmen, das Qualitätsniveau in Produktion und Absatz zu sichern sowie die Leistungsfähigkeit der Mitgliedsbetriebe zu steigern, um dem Verbraucher die größtmögliche Sicherheit und Zufriedenheit zu bieten. Durch regelmäßigen Erfahrungsaustausch und eigene Fachveranstaltungen wird Kompetenz und Wissen gefördert.
Deutscher Rollrasen Verband (DRV)
Martin Bocksch, DRV – Verbandsreferent, Echterdingen
Kontakt: bocksch@rollrasen-verband.de
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